Konkurrenz durch Smartphones: Musikplayer-Nachfrage schrumpft

Produktzyklen ändern sich in der IT-Branche sehr schnell, wie derzeit Musikplayer zeigen. Vor kurzem noch waren die kleinen Geräte der absolute Aufsteiger, jetzt schrumpft der Markt zweistellig. Ende der 90er Jahre kamen die ersten Musikplayer auf den Markt und schossen mit dreistelligen Wachstumsraten nach oben. Ihren Höhepunkt erreichte die Nachfrage im Jahr 2005. Damals wurden in Deutschland 8,4 Millionen Geräte für insgesamt fast 700 Millionen Euro verkauft. Seitdem sinkt der Umsatz mit MP3- und MP4-Playern von Jahr zu Jahr.

Nach neuesten Angaben des Hightech-Verbands Bitkom soll der Umsatz in diesem Jahr um 21 Prozent auf 400 Millionen Euro und der Geräteverkauf um 14 Prozent auf 5,7 Millionen Stück schrumpfen. Die Deutschland-Zahlen bewegen sich im europaweiten Trend: In der EU gehen Umsatz und Geräteverkauf dieses Jahr voraussichtlich um jeweils 15 Prozent zurück, mit 28,6 Millionen verkauften Geräten werden 2,6 Milliarden Euro umgesetzt. Basis der Bitkom-Angaben sind aktuelle Daten des European Information Technology Observatory (EITO).

iPod nano 5G

Musikplayer wie der iPod nano erhalten durch iPhone & Co. immer mehr Konkurrenz
Foto: Apple



Durch die zunehmende Konvergenz können immer mehr Geräte Lieder abspielen - auch Handys, Netbooks, Tablets, sogar Fernseher und Autoradios. Dies beschleunigt die Marktsättigung. Entsprechend werden spezielle Musikplayer weniger nachgefragt. Vor allem Smartphones, die über immer größere Speicherkapazitäten verfügen, graben den Musikplayern das Wasser ab.

Die Erfolgsgeschichte der Musikplayer begann im September 1998. Damals kam mit dem "Rio Diamond PMP300" der erste massenmarkttaugliche Musikplayer auf den Markt. Apple verhalf mit dem im Jahr 2001 vorgestellten iPod dieser Gerätekategorie zum Siegeszug. Als Speichermedien kamen anfangs meist ultrakompakte Festplatten zum Einsatz, heute basieren die meisten Musikplayer auf Flash-Speicher, der extrem kleine Bauweisen ermöglicht. Den Erfolg der Musikplayer machten Komprimierungsformate wie das weitgehend in Deutschland entwickelte MP3-Format oder das von Apple favorisierte AAC-Format, das gegenüber MP3 eine höhere Qualität bei gleichen Dateigrößen bietet, überhaupt erst möglich.

Im Sog des Erfolgs der Musikplayer kamen noch andere neue Angebote auf den Markt. So entwickelte sich das Radio zum Mitnehmen, der sogenannte Podcast. Auch neue Online-Musikportale wie iTunes Store oder Musicload verdanken ihren Erfolg letztlich den neuen Standards und kleinen Geräten.